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"Die Mitschuldigen" am Theater Forum Schwechat, oder: Wie für die Jugend aus "Tugend " mehr wird als ein altes Wort und aus Goethe mehr als der ewig alte Faust.
Da es für viele Jugendliche keine Selbstverständlichkeit ist mit ihren Eltern ein Theater besucht zu haben, geschweige denn gesellschaftliche und ästhetische Prozesse aktiv zu gestalten, versucht auch hier die Schule kulturvermittelnd tätig zu sein.
Für die berufliche Laufbahn der Absolventen unserer berufsbildenden höheren Schule ist Kulturmanagement von Institutionen und Projekten sowie die Kulturvermittlung interessant, da der Tourismus vom öffentlichen Kulturbetrieb lebt und Management, Marketing, Öffentlichkeitsarbeit sowie Projektentwicklung in der Ausbildung eine wichtige Rolle haben.
Sich aktiv und kreativ zu betätigen, Neues zu schaffen und somit die Kulturlandschaft zu bereichern ist für die persönliche Entwicklung des jungen Menschen wichtig und kann ein wesentlicher Glücksfaktor im Leben sein. Der Kontakt mit Künstlern und Autoren im Rahmen von Lesungen und Aufführungen und die damit verbundene Organisationsarbeit hat in einem lebendigen Unterricht genauso Raum wie die Erarbeitung einer eigenständigen Leistung von künstlerischem Wert. Dazu zählt das Verfassen eines Textes mit Beteiligung an Literaturwettbewerben, die qualitätsvolle filmische Dokumentation eines Projektes genauso wie zum Beispiel die Interpretation eines selbstgetexteten oder –komponierten Liedes durch den Schulchor und die Erarbeitung einer Choreographie unter professioneller Leitung.
Theaterbegeisterte Lehrer haben aus diesem Grund immer wieder Aufführungen an unsere Schule geholt bzw. Theaterfahrten organisiert.
Im Herbst 2011 war der Besuch des Theaters Forum Schwechat für die 3AHL und 4AHL der Tourismusschulen Semmering ein ausgesprochener Glücksfall. Die persönliche Atmosphäre samt freundlichem Empfang war beeindruckend und ungewöhnlich. Durch den kleinen Theatersaal gestaltete sich die Aufführung zu einem Bühnennaherlebnis für die Schüler und gewiss auch zu einer Herausforderung für die Schauspieler, für welche die ungebremsten Emotionen ihrer Zuschauer unmittelbar spürbar waren. „Das ist Komödie, hier SOLL gelacht werden“, kommentierte der unvergleichliche und um nichts in der Welt mit Tom Cruise zu verwechselnde Christoph Dostal das Verhalten des jungen Publikums, das sich bei SO einem Goethe vor Begeisterung kaum halten konnte.
„Die Mitschuldigen“ von Johann Wolfgang von Goethe ist über die Dimension des Lustspiels hinaus ein Stück, das zur Besinnung ruft. Sich auf Werte und Worte wie Tugend zu besinnen, mag für manche 16jährige neu sein. Das heißt aber nicht unbedingt, dass es uninteressant ist. Im Gegenteil kann ein derartiger Gedankengang bei einem jungen Menschen viel mehr Gutes auslösen als vielleicht bei einem "reifen" Menschen, für den Begriffe wie Tugend und Ehrenhaftigkeit nichts weiter sind als ein paar abgelutschte Buchstaben. Tugend verkörpern in diesem Stück aber nicht nur die Charaktere, jeder der mitwirkenden Schauspieler hat seine Tugend im anschließenden Gespräch mit den SchülerInnen authentisch und überzeugend demonstriert.
Sich der Kunst zu widmen, unbestechlich und ohne vorrangige materielle Ziele, ist wahrhaftig eine große Kunst. So sollen auch wir sein, in all unseren Tätigkeiten, auf jedem unserer Wege. Das kleine Stück von der großen Kunst recht zu leben und recht zu lieben, es möge uns geleiten auf der Bühne des Lebens. Es mag stimmen, dass Männer alle 5 Minuten an Sex denken. Ich würde mich nicht wundern, wenn auch Frauen alle 5 Minuten an Sex denken. Und, nein, es stört mich überhaupt nicht. Was mir aber zu denken gibt ist, dass wir so wenig aneinander denken, an den Frieden unserer Herzen und die Gesundheit der Seele in der Liebe.
Auch wenn wir alle, ALLE, „die Mitschuldigen“ sind – es gibt niemanden, wirklich niemanden, der nicht die Chance hat durch Einsicht und Tugend frei zu werden. Die Freiheit des Menschen liegt in seiner Tugend. Ich bin mir fast sicher, dass das heute, am 7.10. gegen Mittag, noch niemand so gedacht hat.
Dr. Heidi Prüger, Semmering |