Souvenirs mit Seele – kulturwandernd durch Payerbach und Reichenau
Eigentlich hätte das Obere Schwarzatal im sprichwörtlichen Wasser versinken sollen – in der Nacht stürmte und schüttete es so heftig im Heimatort Payerbach der Kulturlehrerin, dass sie einen Notruf an ihre Klasse absetzte, die Badehose nicht zu vergessen. Doch kaum machte sich die 3BHL morgens auf den Weg, riss der Himmel auf und ließ die Engerln im Trockenen reisen.
Der erste Programmpunkt führte zum Berggasthof Flackl. Dort empfing die angehenden Touristikerinnen und Touristiker eine wohltuende Mischung aus weitläufiger Natur, herzlicher Gastfreundschaft und quirligem Hoftreiben. Der Junior des Hauses – selbst 3BHL-Schüler – übernahm die Führung mit spürbarer Freude und gewährte Einblicke in den nachhaltigen Alltag eines Betriebs, der in vielen Bereichen ökologisch vorbildlich geführt wird. Zwischen Schweinen, neugierigen Ziegen und sanftmütigen Schafen – den wahren Zen-Meistern unter den Huftieren – entstand rasch eine heitere Stimmung, die den turbulenten Wetterstart in weite Ferne rückte.
Auf dem Weg zur nächsten Station zauberte die Exkursion unvermutet einen stillen, berührenden Moment herbei: Die Gruppe passierte die Kapelle am im Entstehen begriffenen Waldfriedhof. Kulturlehrerin Heidi Prüger nutzte die Gelegenheit für einen kurzen, dankbaren Halt – und segnete ihre Schützlinge. Die Schüler:innen standen respektvoll, manche gerührt, manche amüsiert – ein Moment, der zeigte, dass Kulturpädagogik manchmal dort passiert, wo man sie am wenigsten erwartet.
Weiter ging es dann zur Schlossgärtnerei und zum Schloss Wartholz, wo sich der Tag in ein beinahe märchenhaftes Setting verwandelte. Christian Blazek begrüßte die Gruppe mit ruhiger Freundlichkeit und führte mit sympathischem Understatement, fachkundigen Einblicken und charmanten Anekdoten durch Orangerie, Garten und versteckte Parkbereiche. Die Blätter und Wege glänzten frisch vom Regen, und das Sonnenlicht funkelte im Kristall der Luster durch die hohen Fenster. Blazeks Erzählungen über Restaurierung, Familiengeschichte und kulturtouristisches Engagement machten das Gelände zu einem Ort voller lebendiger Geschichten. Besonders berührend war seine Geste, kleine „Steine der Erinnerung“ zu verschenken – Souvenirs mit Seele.
In Payerbach erwartete die Gruppe schließlich Familie Hübners traditionsreicher Payerbacherhof. Schon beim Betreten des Hauses war die historische Atmosphäre spürbar, die in liebevollen Details und alten Fotografien der „Themenzimmer“ lebendig bleibt. Die Hausführung durch Konstantin Hübner, den Bruder von Leni – Schulsprecherin und ebenfalls 3BHL-Schülerin –, unterstrich eindrucksvoll, wie viel Herzblut in diesem Familienbetrieb steckt. Ein besonderer Höhepunkt war die spontane Jamsession von Jojo und Leni, die mit natürlicher Leichtigkeit und Freude das Haus in einen Ort musikalischer Gastfreundschaft verwandelten.
Schwein gehabt, weingelabt: Zum Ausklang führte die Exkursion ins Vinodukt – jenen Ort, an dem Technik, Tunnel und Wein eine überraschend stylishe Dreiecksbeziehung eingehen. Unter den mächtigen Bögen des Semmeringbahnviadukts mischten sich Lichteffekte und Geschichte zu einem eindrucksvollen Erlebnis. Entlang der Wände präsentierten sich die Weinregionen der historischen Südbahn, und eine kleine Weinverkostung – liebevoll dargeboten von Vinodukt-Chefin Edith Dosztal – sorgte für einen harmonischen Abschluss.
Auf der Rückfahrt spiegelten die Gesichter der Schülerinnen und Schüler jene besondere Mischung aus Zufriedenheit und angenehmer Müdigkeit wider, die entsteht, wenn ein Tag mehr bietet als erwartet. Aus einem Ausflug, der wetterbedingt beinahe ins Wasser gefallen wäre, wurde eine Reise voller Herzlichkeit, Begegnungen und inspirierender Eindrücke. Payerbach und Reichenau präsentierten sich als Orte, in denen Geschichte, Gastfreundschaft und Natur zu einem eindrucksvollen Erlebnis verschmelzen – begleitet von einem überraschend klaren Sonnenhimmel und einer Lehrerin, die ihre Schützlinge sogar spirituell gut durch den Tag brachte.




