Frühlingserwachen am Semmering
Die Klasse 3HF machte sich am 10.3. auf eine Reise durch Semmerings Natur und Geschichte. Nach einem Informationsinput im Klassenzimmer führte der Weg zunächst vorbei an den Traumvillen zum legendären Südbahnhotel. Dort erwartete die Gruppe Kulturführerin Ulli Tonn, die das frühere Leben am Semmering lebendig werden ließ. So erfuhren die Schüler:innen, dass die Hochstraße einst geölt wurde, um die Staubbelastung zu reduzieren. Ein Friedhof wurde bewusst nicht angelegt – aus Sorge um die außergewöhnlich gute Wasserqualität der Region. Auch die mächtigen Steinquader aus dem Bau der Semmeringbahn fanden eine weitere Verwendung und wurden beim Bau von Villen und anderen Gebäuden genutzt. Besonders geheimnisvoll klang die Erzählung über einen unterirdischen Gang vom Waldhof zum Südbahnhotel, der eine direkte Verbindung zwischen den Häusern ermöglichte.
Anschließend führte der Weg weiter durch den Wald, der unweigerlich an Goethes Osterspaziergang erinnerte. Der Frühling ist hier bereits spürbar: Schneerosen, Seidelbast und Erika setzen erste Farbakzente zwischen Moos und Nadeln. „Was ist das für eine Blume?“, fragte eine Schülerin, als sie am Weg eine gepflückte Schneerose fand – ein schöner Moment, der zeigt, wie wichtig es ist, jungen Menschen die Vielfalt ihrer natürlichen Umgebung näherzubringen. Übrigens: Die Region Semmering–Rax–Schneeberg ist ein bekanntes Gebiet mit großen Schneerosen-Beständen. Gerade deshalb wird dort von Naturschutzorganisationen besonders darauf hingewiesen, die Pflanzen nur anzuschauen und zu fotografieren.
Mit überschäumender Energie wurde der Wald nicht nur betrachtet, sondern auch erlebt: Tote Baumstämme wurden zu Balancierbalken und kleinen Herausforderungen beim Kräftemessen. Der Wald wurde mit allen Sinnen ausgekostet. Auch Lehrerin Heidelinde ließ sich von der Frühlingsstimmung anstecken und konnte der Versuchung nicht widerstehen, sich in ein blühendes Heidekissen sinken zu lassen.
Beim berühmten 20-Schilling-Blick erklangen einige bekannte und weniger bekannte Melodien – von „In die Berg bin i gern“, das seit dem 19. Jahrhundert überliefert wird, bis zu „Stell dich mitten in den Regen“, basierend auf einem Gedicht von Wolfgang Borchert. Das Wegerl führte weiter Richtung Kurhaus, wo Zäune und Absperrungen kurz den freien Waldgenuss dämpften. Vorbei am offenen Skulpturengarten ging es schließlich wieder zurück zur Schule. Drei Stunden waren vergangen – und doch fühlten sie sich an wie eine kleine Reise durch Zeit, Landschaft und Gemeinschaft.



