Martin Dolezal über die Zukunft des Schitourismus
Der Winter der Zukunft kam dieser Tage noch einmal auf den Semmering – zwar ohne Schneefall, aber mit PowerPoint.
Zu Gast an den Tourismusschulen Semmering war Martin Dolezal, ein Mann, der den Winter aus vielen Perspektiven kennt: als Schischullehrer, Marketingverantwortlicher beim Bindungshersteller Tyrolia, Obmann des Wiener Schi- und Snowboardlehrerverbandes und Betreiber der Wiener Piste Hohe-Wand-Wiese. Seine Mission ist klar: die Begeisterung für den Wintersport retten – notfalls auch dort, wo der Winter selbst nicht mehr ganz so zuverlässig auftaucht wie früher. Organisiert wurde der Vortrag von Claudia Kahr.
Während die Berge draußen darauf warten, wie sich die kommenden Winter entwickeln werden, präsentierte Dolezal Alternativen, die den Schnee gewissermaßen in die eigenen vier Wände holen. Kunststoffpisten etwa, auf denen Schifahren auch ohne Flocken möglich wird. Oder Anlagen, auf denen man – wie auf einem überdimensionierten Laufband – in einem endlosen Schwung wedeln kann, ganz unabhängig davon, was draußen gerade vom Himmel fällt. Und natürlich Schneehallen, jene architektonischen Winter Wonderlands, die inzwischen von Dubai über Ägypten bis nach China entstehen.
Besonders beeindruckt zeigte sich Dolezal von den Projekten in China, wo ganze Indoor-Welten rund um den Wintersport gebaut werden. Aber auch der arabische Raum wurde lobend erwähnt: Dort gehe vieles schneller, erklärte er, wenn der Scheich einmal beschlossen habe, dass nun eine Schihalle entstehen solle. In Österreich hingegen müsse man manchmal etwas länger diskutieren – und gelegentlich auch noch ein paar Gutachten abwarten.
In dem Vortrag ging es auch um harte Zahlen. Der Schneetourismus sei wirtschaftlich von enormer Bedeutung für Österreich, betonte Dolezal und präsentierte entsprechende Kennzahlen zur Wertschöpfung. Weniger Verständnis zeigte er für die – aus seiner Sicht – häufig kritische Haltung mancher Medien. Gerade bei Schneehallen werde rasch der Stromverbrauch thematisiert. Dolezal hielt dagegen: Photovoltaik könne hier eine wichtige Rolle spielen, außerdem ließen sich viele Anlagen gerade nachts betreiben, wenn Strom günstiger und im Netz oft reichlich vorhanden sei – also zu Zeiten, in denen der Winter sozusagen energetisch besonders effizient stattfinden kann.
Für den Semmering zeichnete Dolezal schließlich das Bild eines Winters, der sich technisch und wirtschaftlich anpassen muss. Ob auf alpinen Hängen, auf Kunststoffmatten oder unter gigantischen Hallendächern – entscheidend sei, dass Menschen weiterhin Schifahren können. Und wenn der Schnee einmal nicht von selbst kommt, dann müsse man ihm eben ein wenig nachhelfen.




